Die häufigsten Glaukomformen im Überblick

Nicht jedes Glaukom entsteht auf die gleiche Weise. Glaukomformen unterscheiden sich vor allem darin, ob der Kammerwasserabfluss gestört ist, ob der Augeninnendruck erhöht ist und wie schnell der Sehnerv geschädigt werden kann.
Einige Glaukomarten entwickeln sich langsam und bleiben lange unbemerkt. Andere Formen können plötzlich auftreten und einen medizinischen Notfall auslösen. Eine genaue augenärztliche Diagnostik hilft, die jeweilige Glaukomform einzuordnen, den Sehnerv zu beurteilen und die passende Behandlung festzulegen.

Primär- und Sekundärglaukom
Glaukom kann unterschiedliche Ursachen haben. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Primärglaukom und Sekundärglaukom.
Primärglaukom
Primäre Glaukome treten eigenständig auf. Sie sind nicht Folge von Vorerkrankungen, medikamentösen Nebenwirkungen, Operationen oder Verletzungen.
- eigenständige Glaukomform
- unabhängig von Vorerkrankungen
- nicht durch Medikamente, Operationen oder Verletzungen bedingt
Sekundärglaukom
Sekundäre Glaukome entstehen durch Begleitfaktoren. Dazu zählen Vorerkrankungen, Augenverletzungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten.
- Folge anderer Faktoren
- möglich bei Vorerkrankungen oder Augenverletzungen
- auch durch Medikamentennebenwirkungen

Beim Pigmentdispersionsglaukom stören Pigmentzellen den Abfluss
Beim Pigmentdispersionsglaukom lösen sich feine Pigmentzellen aus der Iris. Diese Pigmente gelangen in das Kammerwasser und setzen sich am Trabekelwerk ab, wo normalerweise der Abfluss aus dem Auge stattfindet.
Dadurch fließt das Kammerwasser schlechter ab und der Augeninnendruck steigt leichter an. Besonders typisch ist der sogenannte Pigmentsturm: Dabei werden innerhalb kurzer Zeit viele Pigmentzellen freigesetzt, häufig im Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung.
Ein plötzlicher Druckanstieg macht sich oft durch Kopfschmerzen oder Sehstörungen bemerkbar. In fortgeschrittenen Fällen sehen Betroffene auch Regenbogenringe oder Halos um Lichtquellen.
PEX-Glaukom entsteht durch Ablagerungen im Auge
Beim PEX-Glaukom entstehen feine Ablagerungen im Auge. Sie sammeln sich unter anderem am Kammerwinkel und am Trabekelwerk, wo das Kammerwasser normalerweise aus dem Auge abfließt. Diese Ablagerungen erschweren den Abfluss und begünstigen einen erhöhten Augeninnendruck. Wird das PEX-Glaukom nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, steigt das Risiko für eine Schädigung des Sehnervs.
Deshalb ist diese Glaukomform besonders kontrollbedürftig. Der Augeninnendruck schwankt beim PEX-Glaukom häufiger, und der Sehnerv ist im Vergleich zum primären Offenwinkelglaukom oft schneller gefährdet.
Kurz eingeordnet
Ablagerungen im Kammerwinkel und Trabekelwerk
Gestörter Kammerwasserabfluss und möglicher Druckanstieg
Stärkere Druckschwankungen und schnellere Sehnervschädigung möglich
Frühe Diagnose und Behandlung besonders entscheidend
Normaldruckglaukom trotz normalem Augendruck
Beim Normaldruckglaukom liegt der Augeninnendruck im normalen Bereich, obwohl bereits eine Schädigung des Sehnervs vorliegt. Ein Glaukom ist also nicht automatisch an erhöhte Druckwerte gebunden. Häufig spielen dabei Durchblutungsfaktoren eine Rolle. Der Sehnerv reagiert dann empfindlicher, obwohl die gemessenen Druckwerte unauffällig erscheinen.
Entscheidend für die Beurteilung ist deshalb nicht nur der Augeninnendruck, sondern der gesamte augenärztliche Befund mit Blick auf Sehnerv und Gesichtsfeld.
Beim Verdacht auf ein Normaldruckglaukom kann auch eine internistische Mitbeurteilung sinnvoll sein. Allgemeine Erkrankungen und Durchblutungsfaktoren können für die Einordnung eine Rolle spielen.
Glaukomvorsorge im Überblick
Bei der Glaukomvorsorge prüfen wir wichtige Werte rund um den Augeninnendruck, Sehnerv und Gesichtsfeld. So lassen sich Veränderungen früh erkennen und individuell einordnen.
Tonometrie
Messung des Augeninnendrucks
OCT
Hochauflösende Aufnahmen des Sehnervs
Gesichtsfeld
Prüfung auf Gesichtsfeldausfälle
Pachymetrie
Messung der Hornhautdicke
HRT
Analyse des Sehnervenkopfs
Gonioskopie
Untersuchung des Kammerwinkels
Okuläre Hypertension bei erhöhtem Augendruck
Bei der okulären Hypertension ist der Augeninnendruck erhöht, ohne dass bereits ein Schaden am Sehnerv nachweisbar ist. Sie ist deshalb nicht dasselbe wie ein Glaukom.
Der erhöhte Druck entsteht, wenn das Kammerwasser schlechter abfließt und sich der Druck im Auge aufbaut. Auch ohne sichtbaren Sehnervschaden bleibt ein erhöhter Augeninnendruck ein wichtiger Risikofaktor.
Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind deshalb entscheidend. Sie helfen, Veränderungen am Sehnerv frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln, falls sich aus der okulären Hypertension ein Glaukom entwickelt.

Engwinkelglaukom bei verengtem Kammerwinkel
Beim Engwinkelglaukom ist der Kammerwinkel verengt oder verschlossen. Dadurch fließt das Kammerwasser schlechter ab und der Augeninnendruck kann ansteigen.
Ein enger Kammerwinkel wird unter anderem durch eine flache Vorderkammer, eine dickere Iris oder eine erweiterte Pupille begünstigt. Auch Weitsichtigkeit und ein fortgeschrittener Grauer Star können das Risiko erhöhen.
- verengter oder verschlossener Kammerwinkel
- gestörter Abfluss des Kammerwassers
- erhöhtes Risiko für einen akuten Winkelblock
Ein Glaukomanfall ist ein augenärztlicher Notfall
Bei einem akuten Winkelblock steigt der Augeninnendruck plötzlich stark an. Dadurch kann der Sehnerv innerhalb kurzer Zeit geschädigt werden. Sofortige Behandlung ist entscheidend, um bleibende Sehschäden zu vermeiden.
Typische Warnzeichen
- starke Augenschmerzen
- Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- verschwommenes Sehen und Halos um Lichtquellen
- gerötetes Auge
- harter Augapfel
Kongenitales Glaukom
Ein Glaukom kann auch Babys und Kinder betreffen. Beim kongenitalen Glaukom liegt eine angeborene Fehlbildung des Abflusssystems im Auge vor, die den normalen Kammerwasserabfluss beeinträchtigen kann.
Eltern sollten bei Auffälligkeiten wie vermehrtem Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit oder ungewöhnlich großen Augen frühzeitig einen Augenarzt aufsuchen.
Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Bei Auffälligkeiten ist eine frühe augenärztliche Abklärung besonders wichtig.
Kongenitales Glaukom
Entstehung während der Embryonalzeit
Infantiles Glaukom
Zwischen dem 2. Lebensmonat und dem 2. Lebensjahr
Juveniles Glaukom
Zwischen dem 2. Lebensjahr und dem Erwachsenenalter
Behandlungsmöglichkeiten bei Glaukom
Die Behandlung eines Glaukoms richtet sich nach dem Befund, der Glaukomform und dem bisherigen Verlauf. Je nach Situation kommen medikamentöse, laserbasierte, mikrochirurgische oder operative Verfahren infrage.

Augentropfen
Augentropfen sind häufig der erste Behandlungsschritt bei Glaukom. Sie werden regelmäßig angewendet und vom Augenarzt nach Wirkung, Verträglichkeit und Verlauf angepasst.

Laserbehandlung
Eine Laserbehandlung kann je nach Glaukomform eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative zu Augentropfen sein. Sie kommt infrage, wenn Tropfen allein nicht ausreichen oder nicht gut vertragen werden.

Mikroimplantate
Mikroimplantate können den Abfluss der Augenflüssigkeit verbessern und den Augeninnendruck regulieren. Sie kommen infrage, wenn andere Therapien nicht ausreichen.

Operative Behandlung
Operative Verfahren werden erwogen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichen oder das Glaukom weiter fortschreitet. Die Wahl des Eingriffs richtet sich nach Befund, Risiko und Therapieziel.
Häufig gestellte Fragen zu Glaukomformen
Wie viele Glaukomformen gibt es?
Es gibt verschiedene Glaukomformen, die sich nach Ursache, Kammerwinkel, Augeninnendruck und Verlauf unterscheiden. Wichtige Formen sind das Offenwinkelglaukom, Engwinkelglaukom, Normaldruckglaukom, Sekundärglaukom und das kongenitale Glaukom.
Was ist der Unterschied zwischen Offenwinkelglaukom und Engwinkelglaukom?
Beim Offenwinkelglaukom ist der Kammerwinkel offen, der Abfluss des Kammerwassers aber gestört. Beim Engwinkelglaukom ist der Kammerwinkel verengt oder blockiert. Dadurch kann der Augeninnendruck plötzlich stark ansteigen.
Was ist ein PEX-Glaukom?
Das PEX-Glaukom ist eine Glaukomform, bei der feine Ablagerungen im Auge den Abfluss des Kammerwassers behindern. Dadurch treten häufiger Druckschwankungen auf, die den Sehnerv gefährden können.
Was ist ein Pigmentdispersionsglaukom?
Beim Pigmentdispersionsglaukom lösen sich Pigmentzellen aus der Iris und lagern sich im Trabekelwerk ab. Dadurch fließt das Kammerwasser schlechter ab und der Augeninnendruck steigt leichter an.
Was ist ein Normaldruckglaukom?
Das Normaldruckglaukom ist ein Glaukom, bei dem der Sehnerv geschädigt wird, obwohl der Augeninnendruck im normalen Bereich liegt. Häufig spielen Durchblutungsfaktoren oder eine besondere Empfindlichkeit des Sehnervs eine Rolle.
Was bedeutet okuläre Hypertension?
Okuläre Hypertension bedeutet, dass der Augeninnendruck erhöht ist, ohne dass bereits ein nachweisbarer Schaden am Sehnerv vorliegt. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, weil sich daraus ein Glaukom entwickeln kann.
Welche Symptome sprechen für einen Glaukomanfall?
Starke Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, verschwommenes Sehen und Halos um Lichtquellen können auf einen Glaukomanfall hinweisen. Ein Glaukomanfall ist ein medizinischer Notfall und sollte sofort augenärztlich behandelt werden.
Wie wird ein Sekundärglaukom behandelt?
Die Behandlung eines Sekundärglaukoms richtet sich nach der Ursache. Je nach Befund kommen Augentropfen, Laserbehandlungen oder operative Verfahren infrage.
Wie lange dauert es, bis ein Glaukom zur Erblindung führt?
Der Verlauf eines Glaukoms ist individuell und hängt von Glaukomform, Fortschreiten und Behandlung ab. Eine frühe Diagnose und regelmäßige Therapie senken das Risiko eines schweren Sehverlustes deutlich.
Welche Rolle spielt der Augeninnendruck bei Glaukom?
Relevant ist nicht nur der gemessene Augeninnendruck, sondern der individuelle Zielwert. Dieser wird augenärztlich festgelegt und richtet sich nach dem Zustand des Sehnervs, dem Gesichtsfeld und der jeweiligen Glaukomform.